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LRS erkennen: Diese Anzeichen sollten Eltern ernst nehmen

8 Min. LesezeitTutorify RedaktionInformativ

Dein Kind übt jeden Tag für das Diktat, und trotzdem kommt es mit vielen Fehlern zurück? Beim Vorlesen stockt es bei einfachen Wörtern, und die Hausaufgaben in Deutsch enden immer öfter in Tränen? Dann fragst du dich vielleicht, ob mehr dahintersteckt als ein schlechter Tag.

Die kurze Antwort: Eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) erkennst du daran, dass dein Kind trotz regelmäßigen Übens über Monate deutlich langsamer und fehlerhafter liest und schreibt als Gleichaltrige, während es in anderen Bereichen gut mitkommt. Typische Anzeichen sind stockendes Lesen, wechselnde Fehler beim selben Wort und verdrehte oder fehlende Buchstaben. Klarheit bringt nur ein standardisierter Test bei Schulpsychologie oder Fachärzten. In diesem Artikel findest du die wichtigsten Anzeichen nach Alter, eine Checkliste und die nächsten Schritte.

Was ist eine LRS?

Eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) ist eine anhaltende Schwierigkeit beim Erlernen des Lesens und/oder Rechtschreibens, die sich nicht allein durch zu wenig Übung, Seh- oder Hörprobleme oder fehlenden Unterricht erklären lässt. Betroffene Kinder sind nicht weniger intelligent. Ihr Gehirn verarbeitet Laute und Schriftzeichen nur weniger automatisch.

Laut der medizinischen S3-Leitlinie zur Lese- und/oder Rechtschreibstörung (Fachgesellschaften unter Federführung der DGKJP, Fassung 2015) sind etwa 3–8 % der Kinder und Jugendlichen betroffen. In einer Klasse mit 25 Kindern sitzen also statistisch ein bis zwei Kinder mit LRS.

LRS oder Legasthenie: Wo ist der Unterschied?

Die Begriffe werden im Alltag oft gleich verwendet, meinen aber nicht ganz dasselbe:

Begriff Bedeutung Wer stellt es fest?
Lese-Rechtschreib-Störung / Legasthenie Medizinische Diagnose (ICD-10: F81.0 bzw. F81.1), anhaltend und deutlich unter der Alters- oder Klassennorm Kinder- und Jugendpsychiater, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten
Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten / LRS Schulischer Oberbegriff, auch für vorübergehende Schwierigkeiten Schule, Schulpsychologie

Für den Alltag ist die Unterscheidung weniger wichtig als für die Schule: Welche Fördermaßnahmen, welchen Nachteilsausgleich oder Notenschutz dein Kind bekommt, hängt in vielen Bundesländern davon ab, was genau festgestellt wurde.

Woran erkennt man eine LRS bei Kindern?

Eine LRS erkennt man vor allem daran, dass Fehler beim Lesen und Schreiben über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, obwohl dein Kind übt. Einzelne Fehler sind normal, jedes Kind lernt in seinem Tempo. Hellhörig solltest du werden, wenn mehrere der folgenden Anzeichen über Monate auftreten.

1. Anzeichen beim Lesen

  • Dein Kind liest sehr langsam und stockend, Wort für Wort oder Silbe für Silbe.
  • Es rät Wörter anhand des Anfangsbuchstabens („Hund“ statt „Hand“).
  • Es verliert beim Lesen oft die Zeile.
  • Es kann einen Text vorlesen, aber danach kaum wiedergeben, worum es ging.
  • Es vermeidet Lesen, wo immer es geht, auch bei Themen, die es eigentlich interessieren.

2. Anzeichen beim Schreiben

  • Dasselbe Wort wird in einem Text mehrmals unterschiedlich falsch geschrieben.
  • Buchstaben werden vertauscht, ausgelassen oder hinzugefügt („Fluk“, „Freud“ statt „Freund“).
  • Ähnlich klingende Laute werden verwechselt (d/t, b/p, g/k).
  • Abschreiben von der Tafel klappt deutlich schlechter als bei Mitschülern.
  • Selbst geübte Lernwörter sind im nächsten Diktat wieder falsch.

3. Begleitende Anzeichen

  • Bauchschmerzen oder Ausreden vor Deutscharbeiten und Diktaten.
  • Auffälliger Unterschied zwischen mündlichen Leistungen (gut) und schriftlichen (schwach).
  • Probleme auch in Sachfächern, sobald viel gelesen werden muss, zum Beispiel bei Textaufgaben in Mathe.
  • Sinkendes Selbstvertrauen („Ich bin einfach dumm“).

Wichtig: Eine Checkliste ersetzt keine Diagnose. Viele dieser Anzeichen haben auch andere Ursachen, etwa unentdeckte Sehprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder Deutsch als Zweitsprache.

Ab welchem Alter kann man eine LRS erkennen?

Erste Hinweise zeigen sich oft schon im Vorschulalter, eine verlässliche Testung ist aber meist erst ab Mitte oder Ende der 1. Klasse sinnvoll, wenn der Leseunterricht gut angelaufen ist. Diese Übersicht hilft bei der Einordnung:

Alter / Klasse Mögliche Hinweise
Vorschule Schwierigkeiten mit Reimen, Silbenklatschen oder dem Heraushören von Anfangslauten
Klasse 1–2 Buchstaben werden nur mühsam gelernt, Lesen bleibt Buchstabe für Buchstabe, kaum lautgetreues Schreiben
Klasse 3–4 Sehr langsames Lesen, viele Rechtschreibfehler trotz Üben, schwaches Textverständnis
Ab Klasse 5 Lange Texte und Fremdsprachen werden zur großen Hürde, Fehlerzahl in Aufsätzen hoch, Vermeidung von Lesen

Aus unserer Erfahrung fällt eine LRS bei vielen Kindern erst nach dem Wechsel auf die weiterführende Schule richtig auf. Vorher haben sie die Schwäche mit Fleiß, gutem Gedächtnis oder viel Hilfe zu Hause ausgeglichen.

Wie wird eine LRS festgestellt?

Eine LRS wird mit standardisierten Lese- und Rechtschreibtests festgestellt, die die Leistung deines Kindes mit vielen Gleichaltrigen vergleichen. Dazu kommen ein Intelligenztest, ein Seh- und Hörtest und ein ausführliches Gespräch. So geht ihr am besten vor:

  1. Gespräch mit der Klassenlehrkraft: Beschreibe, was du beobachtest, und frag, ob ihr dasselbe auffällt. Bringt gern Hefte und korrigierte Diktate mit.
  2. Seh- und Hörtest beim Kinderarzt: So schließt ihr körperliche Ursachen aus.
  3. Schulpsychologische Beratung: Die Schulpsychologie ist kostenlos und kann Tests durchführen. In einigen Bundesländern ist ihre Stellungnahme Voraussetzung für schulische Maßnahmen.
  4. Fachärztliche Diagnostik: Eine medizinische Diagnose stellen Kinder- und Jugendpsychiater oder Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Die Überweisung kommt meist vom Kinderarzt.
  5. Förderplan besprechen: Mit dem Ergebnis klärt ihr mit der Schule, welche Förderung, welcher Nachteilsausgleich und ggf. welcher Notenschutz möglich sind.

Tipp: Online-Schnelltests im Internet geben höchstens eine erste Orientierung. Für die Schule zählen sie nicht.

Was hilft Kindern mit LRS?

Kindern mit LRS hilft vor allem eine frühe, regelmäßige und gezielte Förderung, die an ihren konkreten Fehlern ansetzt. Mehr vom Gleichen, also noch mehr Diktate schreiben, hilft meist nicht. Bewährt haben sich:

  • Kurze, tägliche Übungseinheiten von 10–15 Minuten statt langer Sitzungen am Wochenende.
  • Lautgetreues Lesen und Schreiben mit Silbenbögen, bevor Rechtschreibregeln dazukommen.
  • Systematisches Rechtschreibtraining, das sich an den häufigsten Fehlertypen deines Kindes orientiert.
  • Vorlesen und gemeinsames Lesen von Büchern, die dein Kind wirklich interessieren.
  • Lob für Fortschritte, nicht nur für fehlerfreie Ergebnisse.

Außerschulische Lerntherapie kann bei einer diagnostizierten Lese-Rechtschreib-Störung über das Jugendamt nach § 35a SGB VIII finanziert werden, wenn eine seelische Behinderung droht. Die Voraussetzungen sind streng und werden im Einzelfall geprüft.

Praxisbeispiel: Wie bei Lena eine LRS erkannt wurde

Lena (8, 3. Klasse) ist im Unterricht aufmerksam und rechnet gern. Im Diktat schreibt sie aber regelmäßig eine 5, obwohl sie mit ihrer Mutter jeden Abend übt. Das Wort „fahren“ schreibt sie in einem Text als „faren“, „farhen“ und „fahrn“.

Ihre Mutter spricht die Klassenlehrerin an, die die Beobachtung bestätigt. Nach einem unauffälligen Seh- und Hörtest testet die Schulpsychologin Lena und stellt eine deutliche Lese-Rechtschreib-Schwäche fest. Die Schule gewährt einen Nachteilsausgleich mit mehr Zeit bei Diktaten, und Lena bekommt einmal pro Woche gezielte Förderung.

Nach einem halben Jahr liest Lena deutlich flüssiger und macht weniger wechselnde Fehler. Wichtiger noch: Sie geht wieder ohne Bauchschmerzen zur Deutscharbeit.

Wann ist zusätzliche Nachhilfe sinnvoll?

Nachhilfe ersetzt keine Diagnose und keine Lerntherapie, kann aber eine gute Ergänzung sein. Sinnvoll ist sie vor allem, wenn:

  • dein Kind nach der Diagnose Lücken im Schulstoff hat, etwa in Grammatik oder Aufsatzschreiben.
  • die Hausaufgaben zu Hause regelmäßig eskalieren und eine neutrale Person die Übungszeit übernehmen soll.
  • Fremdsprachen dazukommen, denn Englisch ist für viele Kinder mit LRS eine zusätzliche Hürde.
  • das Selbstvertrauen leidet und dein Kind Erfolgserlebnisse in kleinen Schritten braucht.

Wenn du unsicher bist, ob dein Kind überhaupt Unterstützung braucht, hilft dir unser Artikel Zeugnis: Was tun, wenn die Noten schlechter geworden sind?. Bei Tutorify (Online-Einzelnachhilfe, tutorify.eu) arbeitet dein Kind 1:1 und im eigenen Tempo mit einer geprüften Lehrkraft. Was das für Familien bedeutet, findest du auf unserer Seite Nachhilfe für Eltern. Ob es passt, testet ihr am besten in einer Probestunde.

Fazit: Früh hinschauen lohnt sich Eine LRS erkennst du daran, dass dein Kind trotz regelmäßigen Übens über Monate deutlich langsamer und fehlerhafter liest und schreibt als Gleichaltrige. Typische Anzeichen sind stockendes Lesen, wechselnde Fehler beim selben Wort und vertauschte Buchstaben. Sprich bei einem Verdacht zuerst mit der Lehrkraft, lass Sehen und Hören prüfen und hol dir eine Testung bei der Schulpsychologie oder beim Facharzt. Eine LRS sagt nichts über die Intelligenz deines Kindes aus. Mit früher, gezielter Förderung und Nachteilsausgleich kommen die meisten Kinder in der Schule gut zurecht.

FAQ: Häufige Fragen zu LRS-Anzeichen

Wie häufig ist LRS?

Laut der medizinischen S3-Leitlinie von 2015 sind etwa 3–8 % der Kinder und Jugendlichen von einer Lese- und/oder Rechtschreibstörung betroffen. Je nach verwendetem Test und Grenzwert schwanken die Angaben. Nach den meisten Studien sind Jungen etwas häufiger betroffen als Mädchen.

Kann man LRS schon im Kindergarten erkennen?

Erste Hinweise ja, eine Diagnose nein. Schwierigkeiten beim Reimen, Silbenklatschen oder Heraushören von Anfangslauten können auf ein erhöhtes Risiko hindeuten. Verlässlich testen lässt sich eine LRS meist erst ab Mitte oder Ende der 1. Klasse.

Wer testet auf LRS?

Erste Anlaufstelle ist die Schulpsychologie, die kostenlos testet. Eine medizinische Diagnose stellen Kinder- und Jugendpsychiater oder Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, meist nach Überweisung durch den Kinderarzt. Welche Stelle für schulische Maßnahmen zuständig ist, regelt jedes Bundesland selbst.

Ist LRS heilbar?

Eine Lese-Rechtschreib-Störung verschwindet meist nicht vollständig, lässt sich aber durch gezielte Förderung deutlich verbessern. Viele Betroffene lernen, flüssig zu lesen und mit Hilfsmitteln wie Rechtschreibprüfung sicher zu schreiben. Je früher die Förderung beginnt, desto besser.

Hat ein Kind mit LRS Anspruch auf Nachteilsausgleich?

In den meisten Bundesländern ja. Möglich sind zum Beispiel mehr Bearbeitungszeit, vergrößerte Arbeitsblätter oder eine geänderte Gewichtung der Rechtschreibung. Den Nachteilsausgleich beantragen Eltern bei der Schule. Die genauen Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland.

Hat LRS etwas mit Intelligenz zu tun?

Nein. Eine LRS betrifft gezielt das Lesen und Rechtschreiben und sagt nichts über die allgemeine Intelligenz aus. Viele Kinder mit LRS sind in Mathe, Sachfächern oder mündlich sehr gut.

Was können Eltern zu Hause bei LRS tun?

Eltern helfen am meisten mit kurzen, täglichen Übungseinheiten, gemeinsamem Lesen von Lieblingsbüchern und viel Lob für Fortschritte. Strenges Diktatüben ohne Plan führt dagegen oft zu Frust. Sprecht die Übungen am besten mit Lehrkraft oder Förderlehrkraft ab.

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